Eine unglaubliche Zeitreise, das unverzichtbare Vergnügen des Buchlesens und eine Ohrfeige – Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis

Herzlich willkommen im neuen Jahr und zum Start der neuen wöchentlichen Newsletter für 2024. Beide – das neue Jahr und die neuen Newsletter starten mit einer ungewöhnlichen Zeitreise. Allerdings ist diesmal nicht Aphrodite unterwegs, sondern im fünften und letzten der insgesamt fünf aktuellen digitalen Sonderangebote dieses Newsletters, die wie immer eine Woche lang zum Sonderpreis im E-Book-Shop www.edition-digital.de (Freitag, 05.01. 24 – Freitag, 12.01. 24) zu haben sind, schickt Autorin und Verlegerin Gisela Pekrul in dem gerade erschienenen Buch "Von 2023 nach 1650: Eine unglaubliche Reise der Schweriner Brüder" Joshua und Noah, die im wirklichen Leben ihre Enkel sind, auf eine unglaubliche Reise aus dem Schwerin des Jahres 2023 in das Schwerin des Jahres 1650, als die Stadt noch fast so aussah wie auf einer berühmten Ansicht nach Matthäus Merian. Sie wollen sich alles genau anschauen. Die beiden ebenso neugierigen wie mutigen Jungen ahnen aber noch nicht, in welche abenteuerlichen und gefährlichen Situationen sie in der Vergangenheit geraten werden – wobei sie manchmal Hilfe von Petermännchen höchstpersönlich bekommen. So treffen sie eine arme Familie mit vielen Kindern, müssen eine Hexenverbrennung miterleben und gleich mehrfach vor bewaffneten Stadtwächtern flüchten, kommen aber dann doch ins Verlies und lernen – da sie für die Leute des Jahres 1650 überraschend lesen, schreiben und rechnen können – sogar Herzog Adolph Friedrich kennen, der sie einem strengen Verhör unterzieht. Und wieder werden sie eingesperrt. Werden sie jemals wieder ins Jahr 2023 zurückkehren können? Falls ja, werden ihnen die anderen Kinder glauben, was Joshua und Noah vor 373 Jahren in Schwerin erlebt haben? Und wie hat diese unglaubliche Zeitreise eigentlich angefangen? Die beiden Jungen sitzen im Bus der Linie 10:

„Gleich kommt die Hospitalstraße“, ruft Joshua aufgeregt und will zum Ausstieg. „Bleib sitzen“, hält ihn der Ältere zurück, „wir sollen doch das spannende Petermännchen-Buch in der Bibliothek abgeben. Deshalb müssen wir bis zum Marienplatz. Mama hat uns außerdem Geld für ein Eis spendiert.“ Seit Joshua laufen kann, passt Noah auf seinen Bruder auf, dass ihm nichts passiert.

„Oh ja, ich freue mich schon auf die Bibliothek, da suche ich mir aber diesmal mein Buch selber aus, und auch das Eis, das mir am besten schmeckt“, sagt Joshua. Und ein bisschen zaghafter: „Werden wir dann aber auch wieder zurück nach Hause finden? Wir waren doch sonst immer mit Mama am Marienplatz und in der Bibliothek.“

Bevor Noah antworten kann, ertönt plötzlich ein leises Lied, das aus seinem Schulranzen zu kommen scheint. Das Handy kann es nicht sein, es ist noch ausgeschaltet, damit es im Unterricht nicht klingelt. Beide gucken neugierig in den Ranzen. Außer der Postmappe, dem Lerntagebuch, der Federmappe und der Brotbüchse mit dem Rest vom Frühstück ist da ja nichts Besonderes drin. Oder doch – das Bibliotheksbuch!

Es leuchtet und blinkt wie eine Diskokugel. Noah erschrickt mächtig und hätte den Ranzen beinahe fallen lassen. Doch Joshua greift rechtzeitig zu. Nun hören sie den Gesang schon lauter und holen das Buch etwas ängstlich heraus. Es vibriert in ihren Händen und schlägt von selbst eine Seite auf.

Beide lesen aufgeregt, was dort steht. Joshua, obwohl erst in der zweiten Klasse, kann schon gut lesen und ist fast gleichzeitig mit Noah fertig. Verblüfft starren sie auf den Text. Und damit fängt diese unglaubliche Zeitreise an.

Erstmals 1970 erschien in der bekannten und beliebten Reihe „Die kleinen Trompeterbücher“ als Band 79 „Unser Ferkel Eduard“ von Hildegard und Siegfried Schumacher: Pit und ihr Bruder Hannes bekommen vom Großvater ein Ferkel geschenkt, das sie allein aufziehen dürfen. Aber mit dem Geschenk gibt es auch Probleme – wegen Opa.

Nachdenken über Literatur und über das unverzichtbare Vergnügen des Bücherlesens. Darüber schreibt Max Walter Schulz in „Pinocchio und kein Ende. Notizen zur Literatur“ von 1978. Die Rede ist unter anderen von Georg Büchner, Hermann Hesse, Willi Bredel, Alfred Andersch und von dem sowjetischen Autor Grigori Baklanow (1923 bis 2009).

Eine Ohrfeige für eine gutgemeinte Rettungsaktion? Auch das passiert in dem Band „Streit um Legohr, sieben Löffel Pudding und andere Kindergeschichten“ von Günter Saalmann.

Und damit sind wir wieder beim aktuellen Beitrag der Rubrik Fridays for Future angelangt. Jede Woche wird an dieser Stelle jeweils ein Buch vorgestellt, das im weitesten Sinne mit den Themen Klima, Umwelt und Frieden zu tun hat – also mit den ganz großen Themen der Erde und dieser Zeit. Wie soll die Welt beschaffen sein, damit es sich zu leben lohnt? Und zwar für alle Menschen. Aufschlussreiche Antworten präsentiert das heute vorgestellte Buch, das noch zu DDR-Zeiten geschrieben und veröffentlicht wurde:

Erstmals 1984 veröffentlichte Erich-Günther Sasse im damaligen VEB Hinstorff Verlag Rostock „Die Fremden. Erzählungen“:

Das Schicksal der vereinsamten, heimatlosen Dichterin Else Lasker-Schüler am Ende ihres Lebens war für den Autor Ausgangspunkt eines tieferen Nachsinnens. Mit Sensibilität, psychologischem Feingespür und wachem Sinn für Realität schuf Erich-Günther Sasse zahlreiche Lebensbilder, die den Gedanken des Fremdseins nuancenreich variieren. Unaufdringlich, fast zögernd, aber doch mit der Intensität und wachsenden Kraft eines ruhig dahinfließenden Stromes ziehen uns die Gestalten des Buches in ihren Bann. Die engherzige Frau Apotheker Breitenbach, die den Tod ihres Mannes mit Gefühllosigkeit und scharfem Kalkül leicht verwindet. Frau Sieberkorn, die meint, die aufbegehrende Sinnenlust eines jungen Paares verhindern zu müssen, oder der Student Hans-Georg, der beim ersten Besuch im Hause seiner Verlobten ahnungslos die Rolle des verschollenen Sohnes annimmt. In allen Geschichten begegnet uns die Sehnsucht des Autors nach einer freundlicheren Welt.

Neugierig geworden? Tauchen wir jetzt direkt in das Buch ein und verschaffen uns einen ersten Eindruck. Hier ist eine spannende Leseprobe:

Oder ist das mein Wolfgang? Die Alte starrt den jungen Mann an. Um besser sehen zu können, kneift sie die Augen zusammen und blinzelt.

Wolfgang, Wolfgang, das junge Mädchen schüttelt den Kopf, der kommt nicht mehr!

Der junge Mann sieht, wie die alte Frau sich duckt. Sie rutscht schneller auf der Ofenbank hin und her, presst ihre Knie zusammen und schimpft: Das weißt du doch nicht, freches Gör. Dir werde ich, sie hebt ihre Hand.

Wer weiß, wo der begraben liegt, sagt das junge Mädchen.

Der junge Mann stellt sich neben sie und sagt: Was ist denn los?

Weiter nichts, du kannst dich wieder setzen!

Bist du vielleicht Wolfgang, die Alte leckt ihre Lippen, ich weiß genau, dass er wiederkommt.

Der junge Mann sieht in das dürre Gesicht, auf die gelben, trüben Augen, die Lippen, die zittern, und sagt: Das freut mich aber!

Die Zigeunerin hat es mir auch gesagt, sagt die Alte, das war eine gute Frau!

Setz dich doch endlich, das junge Mädchen versucht, den jungen Mann in einen Sessel zu ziehen.

Ich will nicht, er schiebt ihre Hand weg.

Guck nicht, als ob du vom Mond kommst, sagt das Mädchen.

Wolfgang, sie kommt mit ihrem Mund ganz nahe an sein Ohr heran, ihr Sohn, niemand weiß, wo er fünfundvierzig abgeblieben ist. Ihr Mund berührt sein Ohr: Lange, bevor wir auf der Welt waren …

Ach, sagt der junge Mann und setzt sich nun doch. Das junge Mädchen beugt sich zu ihm herunter, ihr Haar fällt auf sein Gesicht. Er hat lange allein gelebt. Er weiß, dass er es nun nicht mehr könnte. Er will sich nicht mehr hassen müssen.

Der junge Mann schielt auf seine Finger, deren Nägel sauber sind, und hört, wie die Alte fragt: Wenn er nicht Wolfgang heißt, wie denn?

Hans-Georg, das junge Mädchen lässt den jungen Mann los, habe ich dir doch schon gesagt, du vergisst aber auch alles!

Hans-Georg, die Alte nickt. Hans-Georg, kichert sie. Plötzlich ist sie still und stiert die Wand an.

Der junge Mann kann auf der Tapete einen hellen Fleck erkennen. Er ahnt, dass dort ein Bild hing, und weiß, dass es seinetwegen abgenommen wurde. Er nimmt sich vor, das Mädchen zu fragen.

Hans-Georg, die Alte spielt mit den Enden des grob gestrickten Tuches, das um ihre Schultern liegt, ist ja ein feiner Name. Wolfgang war auch ein feiner Name. Sie beugt sich vor, kneift wieder die Augen zusammen und fragt: Passt der Kerl denn überhaupt zu uns?

Das soll deine Sorge nicht sein! Das junge Mädchen tritt ans Fenster, schiebt die Gardine zur Seite und winkt dem Vater, der sich an den Kaninchenställen zu schaffen macht.

Der junge Mann sieht, wie der Vater stutzt und dass ein Lächeln über sein breites Gesicht geht; er schließt die Stalltüren und winkt zurück. Auf einmal hat er es eilig, ins Haus zu kommen.

Der junge Mann hört ihn im Flur mit der Frau flüstern.

Ich weiß alles, die Alte starrt wieder auf den hellen Fleck an der Wand und drückt den Rücken gegen den Ofen.

Du hast dich aber fein gemacht, sagt das junge Mädchen.

Die Tür wird aufgerissen, mit einem Satz springt der Mann in die Stube, ist er bei seiner Tochter und sagt: Na, ihr seid ja schon da!

Ist ja schön, er hält dem jungen Mann die Hand hin, nun kann der Winter kommen, die Kohlen sind im Keller, das Schwein ist in den Gläsern, und wir haben euch hier, ja, er tritt von einem Fuß auf den anderen, nun kann der Winter wirklich kommen. Der Mann grinst verlegen, als er die Hand des jungen Mannes schüttelt.

Guck mal, sagt die Alte zu ihrem Sohn, der junge Mann sieht, dass sie den Fleck auf der Tapete nicht aus den Augen lässt, ob der da wirklich nicht Wolfgang ist, wär doch schön, so zu Weihnachten.

Wissen Sie, jetzt blickt sie den jungen Mann an, dass er bisher jedes Weihnachten hier war. Ich wundere mich, noch nicht mal eine Karte hat er geschrieben, sie schüttelt nachdenklich den Kopf.

Da könnt ihr ja richtig ausschlafen, der Mann zeigt seine weißen, gesunden Zähne und sagt: Man weiß doch, wie die Studenten so leben!

Woher du das wissen willst, das junge Mädchen streicht ihre langen Haare zurück.

Dem jungen Mann fällt auf, wie ähnlich sie ihrem Vater ist. Er findet, dass sie ein bisschen zu überlegen tut, und nimmt sich vor, es ihr nachher zu sagen.

Sag doch endlich, dass es Wolf gang ist, fordert die Alte ihren Sohn auf.

Wir können ja mal zusammen in den Wald gehen, sagt der Mann zu dem jungen Mann, als die Tochter ihm den Tabak in die Hand drückt. Danke, er lässt das Päckchen in seiner Hosentasche verschwinden.

Können wir machen, sagt der junge Mann und hat wieder das Gefühl, hier wichtig zu sein.

Der Mann sagt zu seiner Tochter: Denn will ich man Muttern helfen.

Sie rauchen wohl nicht, fragt er den jungen Mann, der kaum Zeit hat zu verneinen.

Das werde ich ihr sowieso sagen, fährt die Alte dazwischen, dass du hier heimlich Tabak annimmst, wenn ich auch schlechte Augen habe …

Du hast recht, sagt der Mann. Ich habe meine Ruhe!

Die Alte presst ihren Rücken gegen den Ofen. Ganz weiß ist ihr Gesicht, als sie sagt: Ist doch Wolfgang, das spüre ich. Sie kneift ein Auge zu wie eben ihr Sohn und blinzelt wieder. Ich kann bloß nicht richtig gucken, wie er jetzt aussieht.

Wirst eben alt! Das junge Mädchen nimmt aus dem Schrank eine Decke.

Sie drückt dem jungen Mann einen Zipfel in die Hand und sagt: Fass mal mit an! Sie legen die Decke auf den Tisch. Das junge Mädchen streicht sie glatt.

Endlich öffnet die Frau die Tür. Der Mann bringt das Tablett herein, auf dem das Geschirr steht und eine große Kaffeekanne, bauchig und geblümt.

Die Frau stellt alles auf dem Tisch zurecht, die Tochter hilft ihr dabei und gießt Kaffee in die Tassen.

Für sie nicht soviel, sagt die Frau leise, du weißt doch. Habe ich total vergessen, sie rennt aus der Stube und kommt mit einer Schüssel Schlagsahne zurück.

Ihr seid wohl im selben Studienjahr, fragt der Vater.

Weißt du doch ganz genau, sagt das junge Mädchen.

Setzen Sie sich bitte, fordert die Frau den jungen Mann auf.

Erstmals 1970 erschien in der bekannten und beliebten Reihe „Die kleinen Trompeterbücher“ als Band 79 „Unser Ferkel Eduard“ von Hildegard und Siegfried Schumacher: Pit und ihr Bruder Hannes bekommen vom Großvater ein Ferkel geschenkt, das sie allein aufziehen dürfen. Aber Großvaters Stall ist klein und unmodern. Er soll mit seinen Schweinen in einen modernen Stall im Nachbardorf umziehen, doch da ist er nicht mehr sein eigener Chef. Pit und Hannes lieben ihren Großvater sehr, sorgen sich aber auch um ihr Ferkel Eduard, das in dem kleinen Stall sterben könnte wie andere Ferkel vom Großvater. Da haben beide Kinder eine Idee, die sie sofort umsetzen.

Bereit, in die Welt des Buches einzutauchen? Wirf einen Blick auf die folgende Leseprobe:

Den ganzen Tag hat die Julisonne auf Hallershoh herniedergebrannt. Jetzt guckt die Nacht ins Kammerfenster. Aber die Hitze steckt noch im Haus. Pit wirft sich in ihrem Bett hin und her. Auch Hannes kann nicht schlafen. Das kommt nicht nur von der Hitze. Die Sorge um Eduard quält Hannes und Pit. Passiert ihm etwas, wird es heißen: Warum habt ihr nicht besser aufgepasst? Ihr hattet ihn doch in Pflege. Sogar Großvater wird vielleicht so reden.

„Wir müssen Eduard retten", sagt Pit und setzt sich in ihrem Bett auf.

„Als ob ich nicht dauernd daran denke!"

„In Wiesenau steht ein neuer Stall."

„Den kriegen wir nicht her."

„Wir sagen Vati, dass die Jettefamilie nach Wiesenau versetzt werden muss, und zwar sofort.“

„Wie du dir das denkst!", knurrt Hannes wieder. „Wenn Vati zehnmal der Vorsitzende ist, Großvater gibt seine beste Sau nicht her."

„Für wen bist du, Hannes? Für Großvater oder für Eduard?"

Hannes schlägt seine Decke zurück. Er setzt sich auf die Bettkante und lässt die Beine baumeln. Für wen er ist? Wie kann Pit so fragen! Er ist für Großvater. Für wen sollte er sonst sein. Aber Eduard? Ja, für Eduard ist er auch. „Ich bin für beide", sagt er.

„Natürlich", sagt Pit. „Bloß, für wen bist du jetzt mehr? Jetzt. Verstehst du?"

Hannes starrt in die Dunkelheit. Eine schwere Frage. Langsam sagt er: „Eduard ist das beste Ferkel von Großvaters bester Sau. Wenn ihm was passiert, grämt sich Großvater krank. Jetzt müssen wir wohl zuerst für Eduard sein."

„Siehst du", sagt Pit. „Wir müssen also Eduard retten. Das ist auch für Großvater gut. Morgen früh sagen wir Vati Bescheid."

„Das nützt nichts. Zum Schluss schreien sie sich wieder an. Wir müssen es anders versuchen."

Pit klettert aus ihrem Bett und setzt sich neben Hannes. Sie denken nach. Ganz still ist es in der Kammer. Still ist es im Haus und im Garten vor dem Fenster. Kein Laut rührt sich.

Endlich sagt Hannes: „Wir schreiben an den Vorstand.“

„Ja, dann müssen sie was tun", sagt Pit. „Wir schreiben sofort."

„Knips das Licht nicht an", flüstert Hannes. Auf Zehenspitzen geht Pit zur Kommode und zieht den Kasten auf. In der Kramschachtel liegt ein Stückchen Kerze vom letzten Fackelzug. Aber Streichhölzer fehlen.

Hannes und Pit schleichen zur Kammertür. Sacht drückt Hannes die Klinke herunter. Sie schleichen zur Küche, Pit dicht hinter Hannes. Tiefes Dunkel, große Ruhe im ganzen Haus. Hannes tastet nach der Streichholzschachtel auf dem Herdsims. Sie schleichen zurück. Da tritt Pit Hannes auf den Latschen. Hannes stolpert und bumst gegen die Wand.

Gleich hustet Großvater in der Schlafstube. Sie hören sein Bett knarren. „War da was, Mutter?", brummelt er.

„Ach", murmelt die Großmutter, „da ist nichts, schlaf man weiter."

Aber Großvater kommt aus der Stube geschlurft und knipst die Lampe an.

Hannes und Pit stehen wie erstarrt im grellen Licht und kneifen die Augen zu. „Was ist denn?", fragt Großvater. „Habt ihr schlecht geträumt?"

Da nickt Hannes schnell, und Pit fasst nach Großvaters Hand. Er führt sie in ihr Zimmer.

„Das ist die Hitze", sagt er. „Deckt euch man bloß ganz leicht zu.“

Dann setzt er sich in den Korbsessel am Fenster und erzählt von früher, als er ein Junge war. Hannes und Pit hören Großvaters Geschichten gern, wenn sie im Winter auf der Ofenbank sitzen oder am Sommerabend unterm Apfelbaum. Jetzt tun sie so, als ob sie allmählich einschlafen. Sie atmen ganz ruhig. Leise, leise tappt Großvater hinaus und schließt behutsam die Tür.

Das Buch „Pinocchio und kein Ende. Notizen zur Literatur“ von Max Walter Schulz erschien erstmals 1978 im Mitteldeutschen Verlag Halle – Leipzig.

Wie kommt einer zur Literatur? Wie begreift er das Lebensnotwendige vom Lesen und Schreiben? Max Walter Schulz, bekannt als Romancier und Essayist, geht in diesen Notizen zur Literatur eigenen Wegen der künstlerischen Praxis nach. Schreibt über das unersetzbare Vergnügen des Buchlesens. Bietet ein lehrhaft-unlehrhaftes Prosaseminar über den berühmten Hampelmann Pinocchio. Gibt Auskünfte über die Arbeit am erzählerischen Werk und über den Umgang mit Gefährten aus Vergangenheit und Gegenwart: Georg Büchner, Hermann Hesse, Willi Bredel, Alfred Andersch, Grigori Baklanow. Anlässe nützen die Möglichkeit, weitergreifende Anliegen sichtbar zu machen, Aussagen zu treffen über die persönliche und gesellschaftliche Verantwortung beim Schreiben der Wahrheit. Erkennbar in der Verständigung über das eigene Schaffen und über die Möglichkeit der Literatur im Ganzen. Kunst des Essays, Kultur der Sprache dienen dem Weitergreifenden, das über Anlässe hinaus ins Bedeutsamere zielt. Es ist ein Lesevergnügen, ein geistiges Vergnügen, dem Autor Max Walter Schulz, seinen Fragen, seinen Überlegungen, seinen poetischen Notizen zu folgen:

Vor längerer Zeit erzählte Alfred Kurella von diesen Dingen. In den zwanziger Jahren traf er sich eines Tages mit Henri Barbuße auf einem dieser Schauplätze. Es stellte sich heraus, dass er, der Deutsche, und Barbuße, der Franzose, sich dort gegenübergelegen hatten: in Schützengräben, einen Steinwurf weit auseinander. Sie gingen in die alten Postenstände und besahen sich das Gelände ihrer schrecklichsten Erinnerung. Aber wie ihnen im Krieg die Topografie jedes Quadratmeters vertraut gewesen war, so fanden sie sich nunmehr nur noch schwer zurecht. Die lebendige Erinnerung deckte sich nicht mehr mit der naturalistischen Bildkonserve. Es war nicht ihr Krieg gewesen. Das historische Bewusstsein, beiderseits vom Antiimperialismus bestimmt, hatte sich aus der einst dennoch erzwungenen Optik des Feindbildes, sogar aus der Bildschärfe der Angst befreit. Es war fester, unverrückbarer in die Optik der parteinehmenden Wahrheit übergegangen. Ja tatsächlich: auch das ästhetische Abbild der wirklichen Wahrheit ergibt sich in seinem Wesen und zu überraschend großen Teilen sogar in den Details seiner Erscheinungen aus der weltanschaulichen Sicht des Menschen. Ein altes Gesetz der Ästhetik; es gilt für die Ausbildung der Geschichte ebenso gut wie für die Abbildung der Gegenwart und der Zukunft. Wenn es mit sensualistischer Argumentation geleugnet wird, wird in der Regel die Erkenntnisfunktion der Kunst, bzw. die Erkenntnisfähigkeit des Menschen geleugnet. Die künstlerische Darstellung des Krieges jedoch gebietet Erkenntnis im höchsten Maß: letzten Endes dem Leben zuliebe. Ich weiß nicht, ob ich Kurella in seinem Sinn richtig interpretiert habe. Ich erinnere mich seiner Episode, während ich über das Gespräch nachdenke, das wir im Juni d. J. im Berliner Klub der Kulturschaffenden mit sowjetischen Freunden, Schriftstellern, Teilnehmern des 2. Weltkrieges, geführt haben. Im bedingten Sinn noch vergleichbar, hatte ich vorher eine andere »Schlachtfeldbesichtigung« erlebt: den zweiteiligen sowjetischen Film über die Schlacht im Kursker Bogen. Ich sah die Landschaft der Schlacht wieder, die weite, wellige, schluchtendurchzogene russische Landschaft unter ihrem hohen breiten Himmel. Das Berliner Filmtheater »Kosmos« besitzt eine ausgezeichnete Klimaanlage. Doch hol’ mich der Teufel des Widerspruchs: plötzlich roch ich wieder den scharfen schwarzgrünen Geruch der Wermutstauden, die auf der Bodenwelle wucherten, auf der wir uns damals mit den Geschützen zum Angriff eingegraben hatten, auf denen uns damals, kurz vor dem befohlenen Angriff der schwere sowjetische Feuerüberfall mit ganzer Wucht traf.

Ich roch den schwarzgrünen Wermut wieder, ich hörte das Röcheln eines sterbenden Freundes wieder, ich spürte die Schmetterschläge der Explosionen wieder, aber – ich fand mich nicht mehr ein auf dem Hügel des deutschen Angriffs.

Die Druckausgabe von „Streit um Legohr“ erschien erstmals1981 in Der Kinderbuchverlag Berlin, „Am Katzentisch“ 1991 im Arena Verlag Würzburg und „Sieben Löffel Pudding“ 1978 in Der Kinderbuchverlag Berlin (Die kleinen Trompeterbücher Band 131). Alle drei Bücher wurden in dem E-Book „Streit um Legohr, sieben Löffel Pudding und andere Kindergeschichten“ von Günter Saalmann zusammengefasst. In Winkeln veranstalteten die Klassen 4a und 4b eine „Kleine Friedensfahrt“. Achim Schuster hat für das Radrennen fleißig trainiert. Seine Chancen, am Ende auf einem Treppchen des Siegerpodestes zu stehen, sind groß. Doch es kommt alles ganz anders. An der Strecke steht seine Freundin Anne, ihr ist der Esel Legohr weggelaufen. Achim unterbricht das Rennen und hilft, das Tier einzufangen. Um aber das Gesamtergebnis seiner Klasse nicht zu gefährden, lässt er sich zu einem Betrug hinreißen. Schwierig werden die nächsten Tage nicht nur für Achim, sondern auch für Frau Schuster, seine Oma und Lehrerin. Ausgerechnet von ihr wird er eine Ohrfeige bekommen – und alles nur, weil Legohr gerettet werden muss. Ulrike und Jörg klettern heimlich auf einen Baum in der Kirschplantage. Der große Ast ragt weit auf die Straße und wackelt bedrohlich. Da fährt ein Lastwagen vorbei … Bastian ist mit seinen Eltern aus Leipzig in den Westen umgezogen. Wird er neue Freunde finden? Da sind Songül, das türkische Mädchen, aber auch Ossi und Tom – und das kostbare Taschenmesser aus Leipzig.

Lass uns gemeinsam in die Welt des Lesens eintauchen. Hier ist eine Leseprobe, die dir einen ersten Einblick in die Geschichte gibt:

„Hast du gehört, was er gesagt hat?" Ulrike zieht Schuh und Strümpfe aus.

„Der Ast ist morsch!"

„Der hält!"

Die sonnendurchglühte Baumrinde duftet nach Kirschharz und kitzelt angenehm an den Fußsohlen. Der Starenschwarm hat sich mit einem Flurrr! in die Luft erhoben, doch ein Vogel nach dem andern kehrt zurück. Bald lassen sich auch die Jungen nicht im geringsten mehr beim stibitzten Mittagsmahl stören, picken wie die Alten. Jörg bleibt dicht beim Stamm sitzen und hält Ulrike an den Beinen fest. Sie liegt bäuchlings auf dem knorrigen Ast, kleidsame Gehänge aus Kirschen über den Ohren, und spuckt große Bogen. Freigebig versorgt sie auch ihren Freund, der fortwährend barmt: „Kriech nicht zu weit! Der Ast knackt schon!"

„Angsthase! Willst morgen Riesenrad fahren, und hier wird dir schon schwindlig! Ulrike schmatzt. „Steck lieber ein paar Kirschen ein für Pappeholz, wir werden ihn ja gleich überholen!"

Ja, wirklich, sie werden ihn gleich überholen, aber anders, als Ulrike sich das vorgestellt hat. Denn hinter der Kurve brummt der Zweiuhrbus die Steigung herauf. Der Ast, durchhängend von dem ungewohnten Gewicht, schabt über das Verdeck. Ulrike langt aus Spaß nach dem kleinen Geländer auf dem Dach.

Aber da passiert die Sache noch nicht …

Vor einer Minute noch hat Heike, Heike mit der neuen Doktortasche auf dem Schoß, vergnügt aus dem Heckfenster des Busses geschaut. Hat sich bald den Hals verrenkt nach dem Lastwagen, der hinter dem Bus herpolterte und die ganze Zeit nicht zum Überholen ansetzte, obwohl er es sehr gut gekonnt hätte. Am Lenkrad saß, staubbedeckt und schwitzend, der junge Fahrer Wolf von der Obsterntebrigade.

Wolf ist so dicht wie möglich aufgefahren und lacht ihr zu.

Was für kräftige Zähne! denkt die Ärztin Heike noch, dass mir das in der Schule früher nie aufgefallen ist …

Plötzlich winkt sie wie wild mit der Tasche.

Wolf winkt zurück – nachher will er gleich einen Spankorb voll frisch gepflückter Kirschen von der Ladefläche nehmen und zu Heikes Eltern tragen: Gratuliere zur bestandenen Prüfung!

Plötzlich bremst der Bus, Wolf muss überholen. Warum alle mit den Armen Zeichen machen und der Busfahrer ihm hinterherhupt?

„Ob an meinem Lastwagen was locker ist? Aber ich bin ja gleich am Ziel", spricht Wolf zu sich, blinkt, gibt gewaltig Zwischengas, schaltet und biegt in die Toreinfahrt der LPG ein, über der noch das Familienwappen der Frau Baronin hängt …

Hühner zetern, stieben auseinander, mit einem Satz rettet sich ein alter Mann – ah, das ist Papa Holz -, er quetscht sich an die Mauer und hält schimpfend seinen Hut.

Wolf lacht: „War doch bloß Spaß, Pappeholz!" Er freut sich und weiß nicht, warum, bremst mitten auf dem Hof, springt aus dem Fahrerhaus: „He, nichts für ungut, Papa Holz, wir trinken einen zusammen!" Wolf schlägt den eisernen Riegel an der Wagenrückwand zur Seite, klappt sie runter …

… in den Kirschkörben sitzt ein kleines Mädchen, anzusehen wie ein zerraufter Bluthänfling, über und über rot gesprenkelt, und schreit erbärmlich.

Aus der Futterküche stürzt Ulrikes Mutter, im Laufen wischt sie sich die Hände an der Kittelschürze sauber und fängt an zu schelten: „Was habt ihr wieder angestellt! Ich hau euch den Hintern voll!"

Noch immer schimpfend, nähert sich Papa Holz. Faßmanns Gekläff verstärkt den Spektakel.

Ulrikes Vater kommt eilenden Schritts aus der Remise, schiebt die blaue Schweißerbrille in die Stirn.

Frau Hausmann läuft herbei, gefolgt von zwei Kolleginnen in weißen Küchenhauben, die die Hände beim Anblick des armen Kindes erschrocken über dem Kopf zusammenschlagen.

Das arme Kind aber hat so viel Publikum nicht erwartet und stellt das Geschrei ab. Ihm tut nämlich nichts weh, das Rote am Hosenlatz ist gottlob nur Kirschsaft. Ulrike lässt sich in die Arme der Mutter fallen und versteckt das Gesicht an ihrer Schulter. Eine verirrte Träne tropft auf eine Kittelschürzenblume und zittert dort ein Weilchen. „Mein Mummelchen, mein Mummelchen", sagt die Mutter.

Umgestürzte, eingedrückte Spankörbe liegen auf dem LKW über- und untereinander, dazwischen kollern und hüpfen zerquetschte Kirschen im Takt des Motors, der noch immer läuft, über der ganzen Bescherung liegt ein knorriger Ast. Ein zerzaustes Starennest löst sich aus einer Astgabel und segelt sacht zu Boden.

Wolf steigt aufs Trittbrett des Fahrerhauses, schaltet den Motor ab und betastet sorgenvoll die frische Schramme auf dem neu lackierten Dach.

„Der Junge war auch dabei", sagt Papa Holz in die plötzlich eingetretene Stille. „Wo ist mein Junge?", ruft Frau Hausmann mit hoher Stimme.

Faßmann winselt auf und versucht an der herabhängenden Wagenrückwand hochzuspringen. Bewegung kommt in den Ast, er wird zur Seite gehoben, und darunter taucht Jörg empor, blass um die Nase …

„Was war denn?", flüstert er und wischt sich mit dem Arm über die Stirn wie einer, der aus dem Schlaf erwacht.

Das neue Jahr hat gerade erst angefangen, und noch ist es Zeit, sich etwas für die kommenden zwölf Monate zu wünschen, darunter viele schöne neue Bücher und E-Books. Und vielleicht hat die eine oder der andere Lust auf eine eigene unglaubliche Zeitreise bekommen? Es müssen nicht immer 373 Jahre zurück in die Vergangenheit sein. Möglich wären auch 373 Jahre voraus Und damit wären sie, die Zeitreisenden, im Jahre 2397 angekommen …

Wer weiß, wie unsere Welt dann aussieht. Wahrscheinlich schöner, gesünder und gerechter, kurz menschlicher. Wollen wir es hoffen, dass es so kommt. Und ein Stück Hoffnung und Ermutigung steckt auch in der Literatur. Vielleicht haben auch Sie Lust, Ihre ganz eigene Zeitreise aufzuschreiben? Wohin würden Sie denn am liebsten reisen? In die Vergangenheit oder in die Zukunft? Aufregend dürfte es in beide Richtungen sein.

Und damit wieder zurück in die Gegenwart, Anfang des Jahres 2024. Bleiben Sie auch im Neuen Jahr weiter vor allem schön gesund und munter. Und bleiben Sie Freundinnen und Freunde der Bücher. Auch im Neuen Jahr viel Vergnügen beim Lesen.

Im zweiten Newsletter des neuen Jahres können sich Abonnentinnen und Abonnenten unter anderem auf einen Krimi von Klaus Möckel freuen – „Drei Flaschen Tokaier“ von 1976: Der achtzehnjährige Jörg Paulsen steht unter Verdacht, einen Mann getötet zu haben. Wegen eines Mädchens und einer Wette unter Jugendlichen ist er in ein Haus eingestiegen, um einige Flaschen Wein zu besorgen. Anscheinend wurde er dabei vom Besitzer überrascht und hat brutal zugeschlagen. Vergeblich versucht er, sich an Einzelheiten zu erinnern, die ihn entlasten könnten.

Der Fall gilt fast als gelöst, doch ein überraschender Hinweis lässt alles wieder offen erscheinen …

Drei Flaschen Tokaier“ ist ein spannender Klassiker der DDR-Krimi-Literatur, der vom Fernsehen der DDR für die Reihe "Polizeiruf 110" verfilmt wurde.

Über die EDITION digital Pekrul & Sohn GbR

EDITION digital war vor 29 Jahren ursprünglich als Verlag für elektronische Publikationen gegründet worden. Inzwischen gibt der Verlag Krimis, historische Romane, Fantasy, Zeitzeugenberichte und Sachbücher (NVA-, DDR-Geschichte) sowie Kinderbücher gedruckt und als E-Book heraus. Ein weiterer Schwerpunkt sind Grafiken und Beschreibungen von historischen Handwerks- und Berufszeichen sowie Belletristik und Sachbücher über Mecklenburg-Vorpommern. Bücher ehemaliger DDR-Autoren werden als E-Book neu aufgelegt. Insgesamt umfasst das Verlagsangebot, das unter www.edition-digital.de nachzulesen ist, mehr als 1.300 Titel. E-Books sind barrierefrei.

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