Saarkonjunktur im Sommerhoch

Anders als im Bund hat sich die Stimmung in der Saarwirtschaft im Juli unter dem Eindruck weiterer Lockerungen der Corona-Beschränkungen und einer starken Industriekonjunktur insgesamt nochmals deutlich aufgehellt. Das signalisieren die Meldungen der Unternehmen zu ihrer aktuellen Geschäftslage und zu den Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Der IHK-Lageindikator erzielte mit einem kräftigen Sprung um 8,8 Punkte den dreizehnten Anstieg infolge und liegt mit 41,8 Zählern nun auf dem höchsten Stand seit September 2018. Wesentlich dafür sind die verbesserten Lageeinschätzungen in der Stahlindustrie und im Handel. Auch die Aussichten für die kommenden Monate bleiben weiter positiv. Zwar gab der IHK-Erwartungsindikator in Folge leicht steigender Geschäftsrisiken um 1,7 Punkte etwas nach. Mit 7,9 Zählern liegt er aber noch immer deutlich im Plus und zugleich über seinem langjährigen Durchschnitt. „Die Saarwirtschaft befindet sich auf einem robusten Wachstumskurs, der vom dynamischen Exportgeschäft und der wiedererstarkten Binnenkonjunktur getragen wird. Allerdings dürfte es nach der rasanten Aufholjagd im Frühsommer in den kommenden Monaten etwas langsamer aufwärts gehen. Vieles wird nun davon abhängen, wie schnell sich die Engpässe bei Rohstoffen, Vorprodukten und Frachtkapazitäten auflösen und in welchem Maße die Ausbreitung der Delta-Variante des Corona-Virus Produktion und Konsum national wie international beeinträchtigt. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Politik auch bei steigenden Inzidenzen nicht mit einem erneuten Lockdown den Aufschwung im Dienstleistungssektor stoppt und die Konsumenten weiterhin die Möglichkeit haben, einen Großteil der aufgestauten Kaufkraft abbauen zu können. Neben dem Export würde dann auch der Konsum zum Wachstumstreiber werden.“ So kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé die Ergebnisse der Juli-Umfrage der IHK Saarland, an der sich rund 300 Unternehmen mit gut 100.000 Beschäftigten beteiligten.

Insgesamt bewerten derzeit 52 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage mit gut, 37 Prozent mit befriedigend und nur noch 11 Prozent mit schlecht. Gut laufen die Geschäfte in der Keramikindustrie, bei den Gießereien, bei den Herstellern und Bearbeitern von Metallwaren, im Maschinenbau, in der Elektroindustrie und in Teilen der Automobilwirtschaft. Überwiegend befriedigend ist die Lage im Ernährungsgewerbe, in der Medizintechnik, im Stahlbau sowie in der Stahlindustrie.

Im Dienstleistungsgewerbe berichten 87 Prozent der befragten Unternehmen über gute oder befriedigende Geschäfte. Gute bis sehr gute Geschäfte vermelden die IT-Branche und die unternehmensnahen Dienstleister. Insbesondere die Zeitarbeitsbranche und Teile der Logistikbranche profitieren von der wiedererstarkten Industriekonjunktur. Bei den Banken und Versicherungen sowie in etlichen Segmenten des Handels ist die Lage überwiegend befriedigend. „Zwar hat sich die Situation in Hotellerie und Gastronomie sowie in der Freizeitwirtschaft erheblich gegenüber den Vormonaten verbessert. Dennoch sind viele Betriebe weiterhin deutlich von den Vor-Corona-Umsätzen entfernt“, so Thomé.

Agenda für neues Wachstum

In den kommenden Monaten dürfte sich der Aufschwung an der Saar fortsetzen, wenn auch mit etwas gemäßigterem Tempo. 15 Prozent der Unternehmen erwarten bessere, 78 Prozent gleichbleibende und nur 7 Prozent schlechtere Geschäfte. Mehr Besser- als Schlechtermeldungen kommen insbesondere aus der IT-Wirtschaft, dem Ernährungsgewerbe, der Stahlindustrie sowie aus der Gummi- und Kunststoffindustrie. Bei den Banken, in Teilen des Handels und im Fahrzeugbau überwiegt dagegen die Skepsis. „Parallel zum Corona-Krisenmanagement und zum Wiederaufbau in den vom Hochwasser betroffenen Regionen muss es vordringliche Aufgabe der neuen Bundesregierung sein, rasch und entschlossen den Standort Deutschland zukunftsfest zu machen. Dazu zählen exzellente Rahmenbedingungen für mehr private Investitionen. Förderlich sind insbesondere ein Bekenntnis zur Technologieoffenheit im Mobilitätssektor, die Reduzierung der im internationalen Vergleich überbordenden Steuer- und Abgabenlast, eine bedarfsgerechte  Innovationsförderung sowie zügige Planungs- und Genehmigungsverfahren als Voraussetzung für den erfolgreichen Ausbau der erneuerbaren Energien und der Ladeinfrastruktur“, so Thomé.

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