50 Jahre fair gehandelter Kaffee

Der fair gehandelte Kaffee feiert in diesem Monat in Deutschland ein rundes Jubiläum: Vor 50 Jahren, am 21. September 1973, wurde die erste Charge des „Indio-Kaffee“ genannten Getränks aus Guatemala von einem Lager in Frankfurt an Kund*innen ausgeliefert. Initiator des Ganzen war ein Bildungsreferent des katholischen Werks für Entwicklungszusammenarbeit Misereor, der die Ware in Aachen über die niederländische Stiftung S.O.S. bezogen hatte.

Damit wurde gleichzeitig die Saat gelegt für die erfolgreiche Weiterentwicklung des Fairen Handels. Es entstanden nach und nach immer mehr „Dritte-Welt-Läden“ – heute „Weltläden“ -, die neben Kaffee eine Vielzahl weiterer Produkte verkaufen, und zwar zu Preisen, mit denen man deren Erzeuger auf „ehrliche Weise“ entlohnen kann, wie es in den Pionierzeiten formuliert wurde. Existenzsichernd sollten diese Preise sein, das heißt so hoch, dass Bäuerinnen und Bauern nicht nur ihre Kosten decken und ihre Familien ernähren, sondern auch in eine nachhaltige Zukunft investieren können. 

Der Faire Handel professionalisierte sich innerhalb weniger Jahre in rasantem Tempo – erkennbar auch an der schon 1975 erfolgten Gründung des Fair Handelsunternehmens GEPA, zu dessen Trägerorganisationen unter anderem Misereor gehört. Denn die Weltläden initiierten einen deutschen Importeur, nachdem sie den „Indio-Kaffee“ zunächst über S.O.S. Wereldhandel, die heutige niederländische Fair Handelsorganisation FTO, bezogen hatten.

45 Prozent des Umsatzes

Bei der GEPA ist Kaffee bis heute eines der Hauptprodukte. Etwa 45 Prozent seines Umsatzes macht das gemeinwohlorientierte Unternehmen mit dem Verkauf der fair gehandelten Bohnen, die es mittlerweile in einer sehr vielfältigen Produktpalette gibt. Schon 1969 hatte Misereor die Gründung der Kaffeekooperative FEDECOCAGUA in Guatemala maßgeblich unterstützt – die mittlerweile der größte Dachverband der Kaffee-Produzenten des mittelamerikanischen Landes ist.

Bei aller Freude darüber, dass fair gehandelter Kaffee inzwischen ein weithin bekanntes Produkt ist, das auch in die meisten Supermärkte Einzug gehalten hat, ziehen die GEPA und Misereor eine gemischte Bilanz. Denn noch immer hat fairer Kaffee in Deutschland einen Marktanteil von lediglich rund sechs Prozent, während es zum Beispiel in der Schweiz fast 16 Prozent sind. Die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher bevorzugen herkömmliche Produkte, bei denen aktuell pro amerikanisches Pfund (454 Gramm) Arabica-Kaffee kaum mehr als 1,50 US-Dollar gezahlt wird.

Kantinen, Raststätten, Krankenhäuser gefragt

Demgegenüber garantiert der Faire-Handel den Kaffeebäuerinnen und -bauern einen Mindestpreis von 1,80 Dollar. „Der  vergleichsweise geringe Preisunterschied bedeutet für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern dennoch ein Sicherheitsnetz, mit dem der Faire Handel alleine steht auf dem Markt der zahlreichen Nachhaltigkeitsinitiativen“, betont Annette Ptassek, die als Geschäftsführerin von Misereor für den Fairen Handel zuständig ist. „Echten Fairen Handel gibt es nicht ohne einen Preis, der mindestens die Kosten deckt. Daher appelliert Misereor an die Konsumentinnen und Konsumenten: Entscheiden Sie sich für den echten Fairen Handel!“ Wilfried Wunden, Referent für Fairen Handel bei Misereor, ergänzt: „Auch nach 50 Jahren beruht der Erfolg der Kaffeewirtschaft in Europa auf der Ausbeutung von Menschen, die am Anfang der Lieferkette stehen. Gleichzeitig liegt das Problem zum Beispiel dort, wo Kaffee in großen Mengen getrunken wird: in Betriebskantinen, an Automaten von Raststätten oder auch in Krankenhäusern. Gerade dort sollte konsequent auf fairen Kaffee umgestellt werden.“

GEPA-Geschäftsführer Peter Schaumberger würdigt das Engagement zahlreicher Akteur*innen und Initiativen, die sich für die Weiterverbreitung des fair gehandelten Kaffees stark machen: „Ich danke vor allem den Weltläden: Sie haben als Pioniere den Weg für faire Lieferketten in Deutschland geöffnet. Dieses Ziel verfolgen sie bis heute: durch Handel(n) im doppelten Sinne – praktisch und politisch. Bis heute zeigt Kaffee als wichtigstes, inzwischen überall erhältliches GEPA-Produkt, wie benachteiligte Kleinbäuerinnen und -bauern im Globalen Süden gestärkt werden können.“

Krise bei Dachverband in Guatemala

Dass die Branche auch aktuell große Herausforderungen bewältigen muss, zeigt die seit Monaten anhaltende Krise bei der Kaffeegenossenschaft FEDECOCAGUA. Deren Geschäftsführer Ulrich Gurtner wurde im Frühjahr unter dem Verdacht angeblicher Geldwäsche festgenommen. Bis heute wurde ihm ein rechtsstaatliches Verfahren verwehrt. Nachgewiesen wurde dem Beschuldigten bisher nichts. Die GEPA befürchtet, dass FEDECOCAGUA als bedeutender Akteur des Kaffeehandels geschwächt und aus dem Markt gedrängt werden soll. Gurtner konnte mittlerweile das Gefängnis verlassen, er steht nun aber unter Hausarrest. Nachdem der Kaffeehandel bei der Genossenschaft einige Wochen unterbrochen war, kann FEDECOCAGUA derzeit seinen Handelsaktivitäten wieder nachgehen.

Gerardo de Léon, Exportmanager von FEDECOCAGUA, würdigt das gemeinsam Erreichte: „Das 1973 stattgefundene historische Zusammentreffen des Fairen Handels mit der 1969 gegründeten Organisation FEDECOCAGUA führte zu einer Symbiose, die die Lebensstandards der Kleinbäuerinnen und -bauern verbesserte. Sie sind heute in jeder Region, in der Kaffee angebaut wird, angesehene Menschen.“ Und er unterstreicht: „Die Menschen von FEDECOCAGUA bleiben nicht stehen, sie gehen immer weiter, egal wie groß die Hindernisse sind. Heute ist der Kaffee ein Symbol für Qualität, Prestige und Tradition, der beste Botschafter der Frauen und Männer, die in mehr als 65 Kooperativen von Kaffeeproduzenten zusammengeschlossen sind.“

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